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Über die Geschichte: Ein Baum. Ein Stein. Eine Wolke. ist ein Parable aus united-states, der im 20th-century spielt. Diese Conversational Erzählung erforscht Themen wie Wisdom und ist geeignet für All Ages. Sie bietet Moral Einblicke. Ein junger Junge lernt in einem Café von einem Fremden eine tiefgreifende Lektion über die Liebe.
Es war früher Morgen. Die Straße war ruhig, abgesehen vom gelegentlichen Klappern des Milchwagens oder dem leisen Rascheln eines Besens, der die Gehwege fegte. Ein Junge saß am Tresen eines kleinen Cafés am Straßenrand, biss in ein Toastbrot und starrte durch das Fenster ins sanfte Licht des anbrechenden Tages. Drinnen lag die Luft schwer vom vertrauten Geruch frisch gebrühten Kaffees und auf der Bratpfanne gebratener Eier. Der Junge, vielleicht zwölf oder dreizehn Jahre alt, beobachtete mit wenig Interesse, wie ein älterer Mann, gebeugt und schäbig, das Café betrat. Die Klingel der Tür läutete leise, und der Blick des Jungen wandte sich zum Neuankömmling, fasziniert von den gebeugten Schultern und der Müdigkeit in seinem Schritt.
Der alte Mann zögerte nicht, er ging direkt zum Tresen und setzte sich auf den Hocker neben den Jungen. Einen Moment lang herrschte Stille zwischen ihnen, nur das Summen des Ventilators und die fernen Geräusche der Straße draußen füllten die Luft. Der Junge, unsicher, was er sagen oder wie er reagieren sollte, wartete. Der alte Mann schien tief in Gedanken versunken, doch in seiner Präsenz lag etwas Zielgerichtetes, als hätte er etwas Wichtiges zu sagen. Nach einem langen Moment wandte sich der alte Mann dem Jungen zu und sprach mit tiefer, kratziger Stimme: „Sohn, weißt du, was Liebe ist?“
Der Junge, überrascht von der Frage, schüttelte einfach den Kopf. Der alte Mann nickte nachdenklich, als hätte er diese Antwort erwartet.
„Es ist das Schwierigste auf der Welt zu verstehen“, fuhr der alte Mann fort und starrte auf den Tresen hinunter. „Du würdest es noch nicht wissen. Zu jung. Aber lass mich dir etwas über die Liebe erzählen.“
Der Junge warf einen Blick auf den alten Mann, dann zurück auf seinen Toast. Er war noch nie zuvor nach der Liebe gefragt worden, und natürlich nicht von einem Fremden. Dennoch gab es etwas in der Stimme des alten Mannes, das ihn am Zuhören hielt.
Der alte Mann seufzte und rieb seine schwieligen Hände aneinander, als wolle er sie wärmen. „Es ist so“, sagte er langsam, seine Stimme wurde weicher, ferner, als würde er aus einem tiefen Erinnerungsort sprechen. „Vor langer Zeit liebte ich eine Frau. Ich liebte sie so sehr, dass ich an nichts anderes denken konnte. Ich wachte mit ihrem Gesicht im Kopf auf und ging mit Gedanken an sie zu Bett. Sie war alles für mich. Aber ich verlor sie.“
Der Junge rutschte unruhig auf seinem Sitz. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Er war sich nicht einmal sicher, ob er die Geschichte des alten Mannes noch weiter hören wollte. Doch der alte Mann fuhr fort, seine Stimme gewann eine seltsame Intensität.
„Als ich sie verlor, dachte ich, ich hätte alles verloren“, sagte der alte Mann. „Ich dachte, die Liebe sei verschwunden. Ich war wütend, kaputt. Ich verstand nicht, wie etwas so Starkes einfach so verschwinden konnte. Aber weißt du was? Seitdem habe ich etwas gelernt.“
Der alte Mann lehnte sich näher zu dem Jungen, und der Junge, trotz seiner Zurückhaltung, hörte intensiver zu. Das Café war immer noch ruhig, das einzige Geräusch war das gelegentliche Klirren einer Kaffeetasse oder das leise Kratzen eines Löffels an einem Teller.
„Ich habe gelernt, dass Liebe nicht nur um eine Frau geht“, sagte der alte Mann. „Es ist größer als das. Es geht um alles. Es geht um einen Baum, einen Stein, eine Wolke. Es geht um die Dinge, die wir die meiste Zeit nicht einmal bemerken, die Dinge, die wir als selbstverständlich ansehen. Liebe ist überall, in allem, wenn du nur deine Augen öffnest, um sie zu sehen.“
Der Junge runzelte die Stirn und versuchte, die Worte des alten Mannes zu verstehen. „Ein Baum? Ein Stein?“ fragte er skeptisch.
Der alte Mann lächelte ein wenig, das erste Zeichen von Wärme in seinem sonst gebeugten Gesicht. „Ja, ein Baum. Ein Stein. Eine Wolke. Ich weiß, es klingt komisch. Aber wenn du jemanden verlierst, wenn du denkst, du hättest alle Liebe der Welt verloren, dann beginnst du, sie an anderen Orten zu sehen. Du beginnst zu verstehen, dass Liebe nichts ist, was man besitzen oder festhalten kann. Es ist etwas, das man überall finden kann.“
Der Junge starrte lange auf den alten Mann, unsicher, was er sagen sollte. Das Konzept war ihm fremd, doch es war etwas in den Augen des alten Mannes, etwas in seiner Sprechweise, das den Jungen fühlen ließ, als spräche er eine tiefe, verborgene Wahrheit.
„Hast du jemals jemand anderen geliebt?“ fragte der Junge leise.
Der alte Mann schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte er leise. „Ich habe nie jemanden auf die Weise geliebt, wie ich sie geliebt habe. Aber ich habe Liebe an anderen Orten gefunden. Es ist seltsam, aber nach einer Weile begann ich, eine Art Frieden zu empfinden. Ich habe gelernt, dass Liebe nicht verschwindet, nur weil jemand es tut. Sie ist immer noch da, in der Welt, wartend darauf, dass du sie findest.“
Der Junge nickte, obwohl er nicht sicher war, ob er es vollständig verstand. Dennoch verblieben die Worte des alten Mannes in seinem Kopf, als hätten sie einen Gedankenkeim gepflanzt, der mit der Zeit wachsen und sich entfalten würde.
Der alte Mann beendete seinen Kaffee und stand langsam auf, seine Bewegungen waren überlegt und müde. Er schaute zu dem Jungen hinunter und lächelte. „Erinnere dich an das, was ich sagte, Sohn. Liebe ist überall. Ein Baum, ein Stein, eine Wolke. Du wirst es eines Tages sehen.“
Der Junge beobachtete, wie der alte Mann zur Tür schlurfte, seine Schritte waren schwer, aber gleichmäßig. Als die Tür hinter ihm zuflog, wandte sich der Junge wieder zum Tresen und starrte auf sein halb gegessenes Toast, verloren in Gedanken.
Für den Rest des Tages blieben die Worte des alten Mannes bei ihm. Als er die Straße entlangging, bemerkte er die Bäume, die Steine und die Wolken mit neuen Augen und fragte sich, ob vielleicht, nur vielleicht, doch eine Art von Liebe in ihnen verborgen war.

Jahre vergingen, und der Junge, nun ein junger Mann, dachte oft an den alten Mann aus dem Café. Er stellte fest, dass er immer wieder an denselben Ort zurückkehrte, am Tresen saß, wo sie gesprochen hatten, und aus dem Fenster auf die Straße starrte. Das Café war dasselbe, aber er war anders. Er war gewachsen, sowohl körperlich als auch geistig, und die Welt schien größer, komplizierter als damals, als er noch ein Junge war. Dennoch blieb die Erinnerung an die Worte des alten Mannes bei ihm, besonders in den ruhigen Momenten seines Lebens, wenn er zum Himmel hinauf oder zur Erde hinunterblickte und über die in den Dingen um ihn herum verborgene Liebe nachdachte. Er hatte nie ganz verstanden, was der alte Mann meinte, aber mit der Zeit begannen die Worte eine neue Bedeutung zu erhalten. Eines Tages, als er durch die Stadt ging, bemerkte er einen Baum, der zwischen zwei Gebäuden wuchs, dessen Wurzeln den Bürgersteig durchbrachen. Der Anblick ließ ihn innehalten. Er stand lange da und starrte den Baum an, die Art, wie seine Äste zum Himmel ragten, die Art, wie seine Blätter im Wind flatterten. Er fühlte etwas in sich aufsteigen, etwas, das er lange nicht mehr gespürt hatte – eine ruhige, sanfte Liebe zur einfachen Schönheit des Baumes. Er ging weiter, doch jetzt waren seine Augen auf eine neue Weise geöffnet. Er bemerkte, wie das Licht die Gebäude traf, wie die Wolken langsam über den Himmel zogen. Er achtete auf die kleinen Details der Welt um ihn herum, die Dinge, die er einst als selbstverständlich angesehen hatte. Und zum ersten Mal verstand er, was der alte Mann vor all den Jahren gemeint hatte. Liebe ging nicht nur um eine Person. Es war nichts, was man verlieren oder finden konnte. Sie war überall, in allem, wartend darauf, bemerkt zu werden, wartend darauf, gefühlt zu werden. Sie war in den Bäumen, den Steinen, den Wolken, den ruhigen Momenten des Alltagslebens. Als der junge Mann älter wurde, dachte er weiterhin auf diese neue Weise über die Liebe nach. Er hatte Beziehungen, manche hielten und manche nicht. Er erlebte Freude und Herzschmerz, Triumph und Scheitern. Doch all das festigte er die Lektion, die der alte Mann ihm beigebracht hatte – dass Liebe größer ist als jede einzelne Person, größer als jeder einzelne Moment. Er fand Liebe darin, wie die Sonne am Horizont unterging, im Klang des Regens, der gegen sein Fenster klopfte, im Gefühl der Erde unter seinen Füßen. Er fand Liebe in den kleinen, ruhigen Momenten seines Lebens, in den Dingen, die oft übersehen oder vergessen wurden. Er erkannte, dass der alte Mann die ganze Zeit recht gehabt hatte – Liebe war überall, in allem, wenn man nur wusste, wie man sie sieht. Und so lebte der junge Mann, nun nicht mehr so jung, sein Leben mit einem ruhigen Gefühl des Friedens. Er suchte nicht nach Liebe, weil er wusste, dass sie bereits da war, umgeben von ihm, in den Bäumen, den Steinen, den Wolken. Er jagte ihr nicht nach, weil er verstanden hatte, dass Liebe nicht besessen oder gehalten werden kann. Sie kann nur im Moment gefühlt, erlebt und geschätzt werden. Eines Morgens, als der Mann im selben Café saß, in dem er einst mit dem alten Mann gesprochen hatte, sah er einen jungen Jungen am Tresen sitzen, genau wie er vor all den Jahren gewesen war. Der Junge starrte aus dem Fenster, in Gedanken versunken, genau wie er selbst damals. Der Mann fühlte ein seltsames Gefühl von Déjà-vu, als wären Vergangenheit und Gegenwart irgendwie miteinander verflochten. Er beobachtete den Jungen lange und bekam dann, von einem seltsamen Drang geleitet, den Mut, aufzustehen und zum Tresen zu gehen. Er setzte sich neben den Jungen, genau wie der alte Mann einst neben ihm gesessen hatte. „Sohn“, sagte er leise, „weißt du, was Liebe ist?“ Der Junge wandte sich überrascht von der Frage zu ihm, genau wie er es vor all den Jahren gewesen war. Der Mann lächelte, ein sanftes, wissendes Lächeln. „Es ist das Schwierigste auf der Welt zu verstehen“, sagte er, „aber lass mich dir etwas über die Liebe erzählen.“ Und so setzte sich der Kreislauf fort, als eine Generation die Weisheit der Liebe an die nächste weitergab. Der Mann erzählte dem Jungen vom alten Mann, von dem Baum, dem Stein und der Wolke. Und während er sprach, erkannte er, dass er endlich die volle Bedeutung der Worte des alten Mannes verstanden hatte. Liebe war überall. Sie war in den Bäumen, den Steinen, den Wolken. Sie war in den Momenten der Verbindung zwischen Menschen, in der stillen Schönheit der Welt um sie herum. Sie war etwas, das man nicht besitzen oder festhalten konnte, aber etwas, das man immer finden konnte, wenn man nur wusste, wo man suchen musste.Die Reise des alten Mannes
Reflexionen über die Liebe
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