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Über die Geschichte: Die Hexe von Blåkulla ist ein Folktale aus sweden, der im Medieval spielt. Diese Descriptive Erzählung erforscht Themen wie Courage und ist geeignet für Young. Sie bietet Moral Einblicke. Die Suche eines jungen Mädchens nach der Wahrheit führt sie ins Herz von Schwedens gefürchtetster Legende.
Es gibt Orte auf dieser Welt, wo der Schleier zwischen den Lebenden und den Toten dünn ist – wo sich die Realität biegt und die Vergangenheit wie ein Flüstern im Wind verweilt. In Schweden, tief in den dunklen Gewässern der Ostsee, liegt ein solcher Ort.
Blåkulla.
Ein Name, der nur in gedämpften Stimmen ausgesprochen wird. Ein Name, der das Gewicht von Generationen, von Angst und Aberglaube trägt. Man sagte, die Insel sei verflucht, ein Treffpunkt für Hexen, die in der Walpurgisnacht dorthin flogen, um sich dem Teufel zu verschreiben. Die Dorfbewohner von Västmark mieden sie, wichen den Geschichten aus, taten so, als ob sie nicht existierte.
Doch Geschichten haben eine Art, diejenigen zu rufen, die zuhören.
Und ein Mädchen, getrieben von Neugier und Schicksal, würde den Ruf hören.
Ihr Name war Ingrid.
Und sie würde erfahren, dass einige Legenden wahr sind.
Die Walpurgisnacht sollte eine Zeit der Feier sein, des Abwehrens des Bösen. Feuer brannten hell auf dem Dorfplatz von Västmark, ihr Schein flackerte gegen die Fachwerkhäuser. Die Menschen tanzten und feierten, ihr Lachen stieg in die kalte Aprilluft. Ingrid hätte unter ihnen sein sollen. Doch ihr Geist war woanders. Tagelang hatte sie die Flüstern mitgehört. „Die Lichter wurden wieder gesehen“, hatte ihr Vater dem Priester gemurmelt. „Leuchtend über dem Wasser.“ „Kein Boot. Kein Reisender. Nur das Leuchten des Hexenfeuers.“ Der Priester war ernst gewesen. „Es ist der Ruf von Blåkulla. Jemand wird weggebracht werden.“ Ingrids Herz hatte bei diesen Worten gehämmert. Sie war immer skeptisch gegenüber den alten Geschichten gewesen und hatte sie als Erzählungen abgetan, die Kinder erschrecken sollten. Aber die Dringlichkeit in der Stimme ihres Vaters ließ sie grübeln – was, wenn doch etwas Wahres daran war? Also, als die Feuer hoch brannten und die Dorfbewohner sich in ihren Feierlichkeiten verloren, schlich sich Ingrid davon. Die Docks waren leer, der See erstreckte sich vor ihr wie ein schwarzer Spiegel. Ein einsames Fischerboot war an einem Pfosten festgebunden und wiegte sanft mit den Wellen. Sie zögerte. Dann, den Mut zusammennehmend, löste sie das Seil und setzte ab. Der Nebel verdichtete sich, während sie ruderte, der Wasseroberfläche dicht am Boot klebend. Stille umhüllte sie und verschlang die Geräusche des Dorfes hinter ihr. Je weiter sie fuhr, desto kälter wurde es. Eine tiefe, unnatürliche Kälte, die in ihre Knochen kroch. Und dann, durch den Nebel, sah sie es. Blåkulla. Ein zerklüftetes, steil aufragendes Land, dessen Silhouette sich deutlich gegen den mondbeschienenen Himmel abhob. Die Bäume waren knorrig, ihre Äste zu krallenartigen Fingern verdreht. Die Luft roch nach feuchter Erde und etwas anderem – etwas Altem, etwas Beobachtendem. Ingrids Hände zitterten, als sie das Boot sicherte und die Insel betrat. Der Boden unter Ingrids Stiefeln fühlte sich weich an, fast unnatürlich, als ob das Land selbst atmete. Schatten bewegten sich an den Rändern ihres Blickfelds, wechselten zwischen den Bäumen hin und her, aber als sie sich umdrehten, war nichts zu sehen. Sie drängte sich vorwärts. Je tiefer sie vordrang, desto seltsamer wurde die Insel. Die Bäume ragten hoch hinauf, ihre Rinde schwärzlich, als hätten sie ein uraltes Feuer überstanden. Ein flüsterndes Geräusch zog durch die Luft, obwohl kein Wind wehte. Und dann sah sie es – das Haus. Es stand in einer Lichtung, gebeugt und verrottend. Das Holz war dunkel vom Alter, das Dach schief, aber die Fenster… sie glühten. Ein schwaches, kränkliches gelbes Licht pulsierte darin. Etwas an dem Anblick ließ Ingrids Magen sich zusammenziehen. Aber sie war so weit gekommen. Sie trat vor und drückte die Tür auf. Der Duft von brennenden Kräutern erfüllte ihre Nase, dick und berauschend. Seltsame Symbole waren in die Wände geschnitzt, ihre Bedeutung der Zeit verloren. In der Mitte des Raumes stand eine Gestalt, eingehüllt in einen zerlumpten Umhang. Die Hexe von Blåkulla. Sie war nicht die Krüppel, die Ingrid sich vorgestellt hatte. Sie war groß, mit langen silbernen Haaren, die ihren Rücken hinabfielen, ihr Gesicht blass und zeitlos. Ihre Augen – dunkel und brennend – fixierten Ingrid mit einer Intensität, die ihr den Atem stocken ließ. „Du bist mutig, hierher zu kommen, Kind“, murmelte die Hexe, ihre Stimme sanft, aber mit einer darunter liegenden Macht. Ingrid schluckte schwer. „Ich wollte die Wahrheit wissen.“ Ein langsames, wissendes Lächeln breitete sich auf den Lippen der Hexe aus. „Dann lass mich es dir zeigen.“ Mit einer einzigen Bewegung hob sie ihre Hand – Und die Welt veränderte sich. Die Wände des Hauses schmolzen dahin, lösten sich in Dunkelheit auf. Der Boden unter ihnen verwandelte sich in kalten, schwarzen Stein. Die Decke verschwand und offenbarte einen Himmel, der dicht mit wirbelnden Sternen war. Im Zentrum all dessen war ein Wasserloch. Dunkel. Still. Und doch pulsierte es, als ob es lebendig wäre. Die Hexe deutete darauf. „Sieh hin.“ Ingrid zögerte. Aber etwas im Wasser rief nach ihr. Sie trat näher, tauchte in die Tiefen. Zuerst sah sie nichts. Nur Dunkelheit. Dann flimmerten Bilder zum Leben. Ihr Dorf, friedlich und ganz. Ihr Vater, der sich um die Felder kümmerte. Die Kinder, die am Fluss spielten. Aber dann änderte sich die Szene. Die Feuer von Walpurgis wurden wild und fraßen die Häuser auf. Menschen schrien, ihre Gesichter in Angst verzerrt. Und in der Mitte von allem stand – Ingrid. Sie zog sich zurück, ihr Herz hämmerte. „Was ist das?“ „Die Zukunft“, sagte die Hexe einfach. „Nein.“ Ingrid schüttelte den Kopf. „Ich würde niemals—“ Die Hexe hob eine Augenbraue. „Würdest du nicht?“ Ingrid ballte die Fäuste. „Erzähl mir, was das bedeutet.“ Die Hexe neigte den Kopf. „Es bedeutet, du hast eine Wahl.“ Sie hob ihre Hand und zeigte eine verbrannte Markierung auf ihrer Handfläche. „Ich war einst wie du. Ein Mädchen, das die Wahrheit suchte.“ Das Feuerschein flackerte in ihren Augen. „Aber Wissen hat seinen Preis.“ Ingrids Atem kam in flachen Zügen. Sie war gekommen, um die Wahrheit zu suchen. Und jetzt verlangte die Wahrheit etwas im Gegenzug. Die Stimme der Hexe war sanft, fast freundlich. „Du kannst gehen und alles vergessen, was du gesehen hast.“ Sie trat näher. „Oder… du kannst bleiben. Meinen Platz einnehmen.“ Die Stille zwischen ihnen zog sich lang, schwer wie das Gewicht in Ingrids Brust. Sie blickte erneut ins Wasser. Das Feuer. Die Zerstörung. Ihr Dorf würde brennen. Es sei denn… Sie wandte sich zur Hexe um, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Wenn ich deinen Platz einnehme, wird mein Dorf dann sicher sein?“ Die Hexe betrachtete sie lange. Dann nickte sie. Ingrid schloss die Augen. Sie kannte ihre Antwort bereits. „Ich werde es tun.“ Die Hexe lächelte – ein trauriges, wissendes Lächeln. Sie streckte die Hand aus und drückte ihre Hand gegen Ingrids. Schmerz durchfuhr ihre Handfläche, weiß heiß und unerbittlich. Ingrid keuchte, ihre Knie gaben nach. Die Dunkelheit um sie herum wirbelte und faltete sich zusammen. Als sie die Augen öffnete, war sie allein. Das Haus war verschwunden. Die Lichtung leer. Aber sie war nicht mehr dieselbe. Ihre Hand pochte dort, wo die Markierung in ihre Haut eingebrannt worden war. Blåkulla hatte einen neuen Wächter. Als sie zurück zum Dorf ruderte, sah sie die Feuer noch immer brennen, um zu feiern. Die Menschen lachten, unwissend über die Gefahr, die über ihnen schwebte. Sie hatte sie gerettet. Aber zu einem Preis. Und in der Ferne, über das dunkle Wasser hinweg, blieb Blåkulla. Wartend. Auf die nächste Seele, die die Wahrheit sucht.Die Verbotene Insel
Das Reich der Hexe
Das Abkommen
Das Erbe von Blåkulla
Das Ende