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Über die Geschichte: Die Elfenflöte von Álftanes ist ein Legend aus iceland, der im Medieval spielt. Diese Descriptive Erzählung erforscht Themen wie Courage und ist geeignet für Adults. Sie bietet Inspirational Einblicke. Eine eindringliche Melodie, ein elfisches Geheimnis und ein Musiker, der es wagt zuzuhören.
Im rauen und mystischen Land Islands, wo zerklüftete Klippen die unnachgiebige Umarmung des Nordatlantiks treffen, hauchen Legenden durch den Boden selbst. Der Wind trägt das Flüstern uralter Geheimnisse, die Felsen murmeln vergessene Geschichten und die Gewässer von Álftanes erinnern sich an die Lieder einer Zeit, bevor Menschen diese Ländereien durchstreiften.
Unter den vielen Geschichten, die über Generationen hinweg weitergegeben wurden, gibt es eine, die niemals verblasst ist – die Erzählung von der Elfenflöte. Man sagt, sie sei kein bloßes Instrument, sondern ein Gefäß der Macht, gefertigt von Händen, die nicht dieser Welt angehören. Ihre Melodie zu hören bedeutet, einen Blick auf die Ewigkeit zu erhaschen; sie zu spielen heißt, das Risiko einzugehen, sich ganz selbst zu verlieren.
Jahrhunderte lang wagten nur wenige, sie zu suchen. Diejenigen, die es versuchten, kehrten entweder nie zurück oder kamen verändert zurück und konnten nicht über das berichten, was sie gesehen hatten. Doch eines schicksalhaften Abends hörte ein junger Musiker namens Einar die ersten Noten eines Liedes, das nicht sein Eigen war – und sein Schicksal wurde für immer verändert.
Einar war schon immer unruhig gewesen, angezogen von der ungezähmten Schönheit des Landes, als ob es etwas hielt, das nur knapp außer Reichweite war. Er war von Herzen Musiker, seine Finger kannten sich eher mit den Saiten einer Geige als mit den Schwielen harter Arbeit. Während die anderen jungen Männer in Álftanes ihre Tage mit Fischen oder Schafzucht verbrachten, wanderte Einar über die Klippen und komponierte Melodien, die nur der Wind zu verstehen schien. Eines Abends, als die Sonne am Horizont versank, saß er am Rande einer Klippe mit Blick aufs Meer, die Geige unter seinem Kinn eingeklemmt. Die Luft war schwer von Salz, und die fernen Rufe der Möwen durchbrachen die Stille der Dämmerung. Als er den Bogen über die Saiten zog, ließ er die Einsamkeit des Landes in seine Musik einfließen. Dann – etwas änderte sich. Eine Note, die nicht seine eigene war, spannte sich durch die Melodie. Sie war zart, gespenstisch, fast… anderweltlich. Einar senkte die Geige und hielt den Atem an. Der Wind trug den Klang erneut, verwehend durch die Felsen wie ein geisterhaftes Flüstern. Es war nicht das Heulen des Windes oder der ferne Schrei eines Tieres. Es war Musik. „Hast du das gehört?“ Einar drehte sich zu Sigrún, seiner Kindheitsfreundin, die zusammengesunken neben ihm saß. „Was gehört?“ fragte sie und runzelte die Stirn. „Die Musik. Sie kommt von den Klippen.“ Sigrún neigte den Kopf, lauschte. Dann schüttelte sie den Kopf. „Einar, es ist nur der Wind, der mit dir spielt.“ Aber es war es nicht. Es konnte nicht sein. In jener Nacht, als die Lichter des Dorfes hinter ihm flackerten, stand Einar an seinem Fenster und starrte zu den Klippen hinauf. Die Melodie hallte noch immer in seinem Kopf wider, und tief in seiner Brust regte sich etwas – eine unerschütterliche Anziehung zum Klang. Er wusste eines mit Gewissheit. Er musste sie finden. Am nächsten Abend, nur mit seiner Geige und einer Laterne ausgestattet, folgte Einar dem Klang. Die Klippen von Álftanes waren tückisch, zerklüftete Steinfingerspitzen, die zum Himmel ragten. Je weiter er hinaufstieg, desto stärker wurde die Melodie, die sich durch die Luft windete wie ein Atem aus einer anderen Welt. Dann sah er es. Ein Torbogen, halb im Moos begraben, dessen Oberfläche mit Runen verziert war, die die Zeit glattgefräst hatte. Es stand allein am Rand der Klippe, eingerahmt vom unheimlichen Licht des Mondes. Einar zögerte. Die Dorfbewohner sprachen von solchen Orten – Elfenportale, nannten sie sie. Portale zum Reich der huldufólk. Geschichten von Reisenden, die solche Orte betraten und nie zurückkehrten, erfüllten seine Gedanken. Doch die Melodie rief ihn. Er trat hindurch. Die Welt verschob sich. Der Wind blieb stehen, und die Luft verdichtete sich, schwer von einer unsichtbaren Präsenz. Einars Haut prickelte, als ein sanftes Leuchten um ihn herum flimmerte und einen schmalen Pfad erhellte, der vorher nicht da war. Und dann – tauchte eine Gestalt aus dem Nebel auf. Sie war groß, ihre Züge zu perfekt, um menschlich zu sein, ihre Präsenz sowohl faszinierend als auch furchterregend. Augen wie geschmolzenes Silber hielten seinen Blick fest, und in ihren Händen eine Flöte aus poliertem Obsidian. „Du suchst das Lied?“ Die Stimme des Elfen erklang in der Luft, obwohl sich seine Lippen kaum bewegten. Einars Mund fühlte sich trocken an. „Ja,“ flüsterte er kaum hörbar. Der Elf musterte ihn einen langen Moment, dann hob er die Flöte zu den Lippen. Die Welt reagierte. Die Bäume bogen sich wie im Verbeugen, die Klippen summten, das Meer unten wurde unnatürlich still. Einar fühlte, wie die Musik durch seine Knochen ripplte, etwas Uraltes in ihm freilegend – etwas, das er nicht verstand. „Die Flöte ist nicht für Sterbliche,“ sagte der Elf, während die letzte Note verklingte. „Aber wenn du sie spielen willst, musst du dich als würdig erweisen.“ Einar hatte sich immer eine Prüfung der Stärke oder des Verstandes vorgestellt. Aber die Elfen prüften nicht seinen Körper – sie prüften seine Seele. Sie webten Illusionen um ihn herum und zwangen ihn, sich den tiefsten Wahrheiten seines Herzens zu stellen. Er sah seine Eltern, die als Junge bei einem Schiffsunglück im Meer ertrunken waren, die mit kalten, leblosen Händen nach ihm griffen. Er sah Sigrún, wie sie sich von ihm abwandte, ihre Stimme im heulenden Wind verloren. Er sah sich selbst, allein auf den Klippen stehend, ein Lied spielend, das niemand hören konnte. „Lass mich los!“ rief er. „Du musst finden, was real ist,“ hallte die Stimme des Elfen wider. Die Illusionen verschwammen und verflossen zusammen. Aber dann – hörte er es. Die Melodie. Es war das Einzige, was wahr blieb, das Einzige, das von den sich verändernden Visionen unberührt war. Einar konzentrierte sich auf das Lied. In dem Moment zerbrachen die Illusionen. „Du hast über dich selbst hinaus gesehen,“ erkannte der Elf an. „Aber es gibt eine letzte Aufgabe.“ Die Flöte wurde ihm in die Hände gelegt. Sie war kalt, als hätte sie nie die Wärme menschlicher Berührung gekannt. Einar hob sie zu den Lippen. Die erste Note erklang – und die Welt zitterte. Die Bäume, die Klippen, die Erde selbst reagierten auf die Musik. Er fühlte die Kraft durch sich strömen, eine uralte Macht, die nicht für sterbliche Hände bestimmt war. Aber etwas war falsch. Die Flöte zog ihn hinein, entwirrte ihn, verwandelte ihn in nichts anderes als ein Gefäß für die Musik. „Stopp, Einar!“ Sigrún. Ihre Stimme durchbrach den Bann wie ein Messer. Sie hatte ihm gefolgt. Ihre Augen waren weit vor Angst. Sie griff nach ihm, ihre Hände warm gegen seine gefrorene Haut, zogen ihn zurück. Die Flöte fiel aus seinem Griff, schlug mit einem hohlen Klang auf den Stein. Der Elf beobachtete schweigend, dann nickte er. „Du hast gelernt, dass das Lied nicht kontrolliert werden darf. Es gehört dem Land, nicht den Menschen.“ Damit verschwand die Flöte und löste sich im Wind auf. Einar und Sigrún sprachen nie über jene Nacht. Aber manchmal, wenn der Wind genau richtig war, konnte er sie noch immer hören – die Melodie, die über die Klippen driftete, wartend auf eine weitere Seele, die zuhört. Vielleicht beobachteten die Elfen immer noch. Vielleicht war die Flöte noch immer da draußen. Aber nur diejenigen, die wirklich das Flüstern des Windes hörten, würden es je erfahren. Einar hörte nie auf zu spielen. Seine Musik trug ein Stück der unsichtbaren Welt in sich, ein Geschenk, das er niemals erklären konnte. Und Sigrún – obwohl sie es nie zugab – stand manchmal an der Küste und lauschte. Vielleicht würde das Lied eines Tages einen anderen finden.Die flüsternden Winde
Der Elfenpfad
Prüfungen des verborgenen Volkes
Das Lied der Erde
Das Echo der Legenden
Epilog: Die letzte Note
Das Ende.