Lesezeit: 6 min

Über die Geschichte: Der lachende Fluss von Kabul ist ein Historical Fiction aus afghanistan, der im 20th-century spielt. Diese Poetic Erzählung erforscht Themen wie Romance und ist geeignet für Adults. Sie bietet Cultural Einblicke. Eine zeitlose Geschichte von Liebe, Verlust und dem Fluss, der niemals vergisst.
Kabul, mit seinen zerklüfteten Bergen und lebendigen Straßen, war schon immer eine Stadt der Kontraste – ein Ort, an dem Schönheit und Trauer Hand in Hand gehen. Durch ihr Herz fließt der Kabul-Fluss, ein Band aus Wasser, das an zerfallenden Relikten längst vergangener Reiche vorbeizieht, an den geschäftigen Basaren und stillen Innenhöfen, wo einst Dichter unter Granatapfelbäumen saßen und Verse dem Wind zuflüsterten.
Doch für manche ist der Fluss mehr als nur Wasser. Er ist ein Zeuge. Ein Hüter von Geheimnissen. Ein Träger von Träumen.
Und unter all den Geschichten, die er birgt, ist keine so beständig wie die Geschichte von Arash und Laila, den Liebenden, deren Lachen einst auf den Wellen des Flusses tanzte.
Es heißt, dass der Kabul-Fluss an bestimmten Nächten, wenn der Wind sanft ist und der Mond tief hängt, immer noch mit ihrer Freude widerhallt. Dass man, wenn man genau hinhört, es hören kann – das Lachen des Flusses selbst.
Dies ist ihre Geschichte.
Es war der Frühling 1973, eine Zeit, in der Kabul noch lebendig war mit Musik und Poesie. Morgens zog der Duft von frischem Naan und gewürztem Chai durch die Luft. Nachmittags summten die Stimmen der Händler auf den Basaren, die bestickte Schals, handgewebte Teppiche und Tabletts glänzender Trockenfrüchte verkauften. Arash hatte wieder einmal keine Zeit. Er drängte sich durch den überfüllten Marktplatz, wich einem Eselwagen aus und hätte beinahe einen Korb reifer Aprikosen umgestoßen in seiner Eile. Der alte Händler fluchte ihn an und schüttelte die faltige Faust. Aber Arash hatte nur einen Gedanken – Laila. Sie wartete am Kabul-Fluss, wie sie es immer tat, ihre Füße ruhten knapp über dem Wasser, ihr dunkler Zopf glänzte im Sonnenlicht. „Du bist zu spät“, sagte sie, ohne aufzuschauen, als er sich näherte. Arash grinste und ließ sich auf den warmen Stein neben ihr fallen. „Du sagst das immer.“ „Und du bist immer zu spät“, konterte sie, doch in ihrer Stimme lag ein Lachen. Das Wasser unter ihnen war ruhig und spiegelte den Himmel in sich wandelnden Wellen. Sie trafen sich nun seit über einem Jahr an diesem stillen Ort, wo die Welt für sie beide stillzustehen schien. Laila hob einen glatten Stein auf und warf ihn in den Fluss. „Glaubst du, das Wasser erinnert sich jemals?“ „Erinnert sich an was?“ „An alles, was es trägt.“ Dann sah sie ihn an, ihr Blick suchte nach Antworten. „Glaubst du, wenn wir ihm etwas erzählen, es wird es für immer bewahren?“ Arash zögerte. „Vielleicht.“ Laila lehnte sich näher. „Dann lass uns ihm unser Geheimnis anvertrauen.“ Und so, mit der Sonne hoch oben und der Stadt, die in der Ferne murmelte, flüsterten sie ihre Träume in den Kabul-Fluss. Träume von einem gemeinsamen Leben, von einem Zuhause voller Bücher und Lachen, von Kindern, die genau an diesem Flussufer spielen würden. Das Wasser trug ihre Worte hinweg, faltete sie in seine Strömung und versiegelte sie unter seinen Wellen. Und als Antwort schien der Fluss zu kichern – ein sanftes, plätscherndes Geräusch gegen die Felsen. Es war das erste Mal, dass Arash daran dachte, ihn den Lachenden Fluss zu nennen. Die Welt um sie herum veränderte sich. Gerüchte wirbelten in den Teehäusern und belebten Gassen – Flüstern von Unruhen, von einer neuen Ära, die Kabul mit schweren Schritten näherte. Eines Abends, als Arash und Laila am Fluss saßen, riss ein plötzlicher Wind durch die Stadt. Staub wirbelte in der Luft, und das Wasser verdunkelte sich unter dem sich verändernden Himmel. Laila zitterte. „Heute Abend fühlt es sich anders an.“ Arash nahm ihre Hand. „Es wird alles gut.“ Aber er war sich nicht ganz sicher. Tage später änderte sich alles. Der König wurde gestürzt. Die Straßen füllten sich mit Unsicherheit, mit Männern, die in gedämpften Tönen stritten, und Frauen, die sich vor Einbruch der Nacht nach Hause drängten. Und dann kam die Nachricht, die Arash’ Welt erschütterte. „Mein Vater sagt, wir müssen gehen“, flüsterte Laila eines Abends, ihre Stimme kaum hörbar über das stetige Murmeln des Flusses. „Es ist nicht mehr sicher.“ Arash’ Hände ballten sich zu Fäusten. „Wann?“ „In zwei Tagen.“ Zwei Tage. Er fühlte, als hätte sich die Erde unter ihm verschoben. „Was, wenn – was, wenn wir weglaufen?“ fragte er verzweifelt. Laila schüttelte den Kopf, ihre Augen glänzten vor Tränen. „Du weißt, dass wir das nicht können.“ Sie standen lange dort, ihre Hände verschränkt, der Fluss plätscherte sanft am Ufer, als wollte er sie trösten. Schließlich sprach Laila. „Wenn wir jemals verloren sind… verspreche mir, dass du hierher zurückkommst.“ Arash schluckte den Kloß in seinem Hals. „Ich verspreche es.“ Und dann, kurz bevor sie weglief, drehte sie sich um und zwang sich, durch ihre Tränen zu lächeln. „Glaubst du, der Fluss wird sich an mich erinnern?“ Arash wollte ja „Ja“ sagen. Aber die Worte verließen nie seine Lippen. In jener Nacht war der Kabul-Fluss still. Die folgenden Jahre waren geprägt von Krieg und Exil. Arash blieb so lange in Kabul, wie er konnte, und klammerte sich an die Hoffnung, dass Laila vielleicht zurückkehren würde. Aber Hoffnung ist zerbrechlich, und der Krieg kümmert sich nicht um Liebende. Als die Stadt brannte, als die Straßen, die einst vom Lachen widerhallten, mit Schüssen gefüllt waren, war er gezwungen zu fliehen. Er wurde einer der vielen, die gingen und nur Erinnerungen mit sich trugen. Jahrzehnte vergingen. Arash baute sich ein neues Leben fernab von Kabul auf, aber der Fluss verließ niemals seine Träume. Er erwachte mitten in der Nacht und hörte das Echo von Lailas Lachen im Wind, das Rauschen des Wassers gegen die Steine. Und dann, eines Tages, kehrte er zurück. Die Stadt war jetzt anders. An manchen Stellen wieder aufgebaut, an anderen noch immer gezeichnet. Aber der Fluss – er blieb derselbe. Am Ufer stehend, spürte Arash, wie sich etwas tief in ihm regte. Ein Flüstern. Ein Versprechen. Und dann – Eine Stimme hinter ihm. Sanft, vertraut. „Ich wusste, dass du zurückkommen würdest.“ Er drehte sich um, das Herz pochte. Laila. Ihr Haar hatte jetzt Silberstreifen, und es gab Linien um ihre Augen, aber sie war immer noch Laila – das Mädchen, das einst neben ihm saß, Steine ins Wasser warf und Träume dem Fluss zuflüsterte. „Ich bin für dich zurückgekommen“, sagte er, seine Stimme rau vor Emotionen. Sie lächelte. „Ich bin nie gegangen. Nicht wirklich.“ Der Fluss glitzerte zwischen ihnen, als ob er zuhörte. „Ich habe mein Versprechen gehalten“, flüsterte Arash. Laila streckte die Hand aus, ihre Finger berührten seine. „Ich auch.“ Und dann, zum ersten Mal seit Jahren, lachte Arash. Ein echtes, freudiges, unbeschwertes Lachen. Das Geräusch trug sich über das Wasser, vermischte sich mit Lailas eigenem Lachen und stieg in die klare Morgenluft. Und in diesem Moment schloss sich der Fluss ihnen an. Plätschernd, wellend, lachend. An diesem Tag wurde eine Legende geboren. Man sagt, dass der Kabul-Fluss an bestimmten Nächten, wenn der Wind sich genau richtig bewegt, immer noch mit den Echos zweier Liebender singt, die ihren Weg nach Hause gefunden haben. Für immer. Noch heute kommen Liebende zum Kabul-Fluss und flüstern ihre eigenen Träume in seine Tiefen, im Glauben an die alte Geschichte. Denn Liebe – wie Wasser – findet immer ihren Weg nach Hause.Das Echo des Lachens
Ein Sturm am Horizont
Der Fluss erinnert sich
Der Lachende Fluss
Epilog: Das Versprechen lebt weiter