Lesezeit: 7 min

Über die Geschichte: Das Taíno-Mondkind ist ein Legend aus puerto-rico, der im Ancient spielt. Diese Poetic Erzählung erforscht Themen wie Courage und ist geeignet für All Ages. Sie bietet Moral Einblicke. Eine mystische Legende von Liebe, Verlust und dem unsterblichen Geist Borikéns.
Bevor die Welt Borikén als Puerto Rico kannte, bevor die Spanier ihre Füße auf die goldenen Küsten setzten, pulsierte die Insel vor Leben. Ihre dichten Dschungel erstreckten sich meilenweit, der Wind flüsterte durch die mächtigen **Ceiba**-Bäume, und die Flüsse trugen die Stimmen der Geister. Das Volk der Taíno lebte in Harmonie mit diesem Land, ihr Leben verwoben mit dem Rhythmus von Erde und Himmel.
Legenden wurden von den Ältesten an die Kinder weitergegeben wie Glut in einem heiligen Feuer, Geschichten von den **Zemis**, den Geistern, die über sie wachten, und von Kriegern, die in Zeiten großer Not aufstiegen. Unter diesen Legenden hält ein Name wie der Mond über dem Meer an – Maróa, das Mondkind.
Dies ist ihre Geschichte.
In der Nacht, in der Maróa geboren wurde, brannte der Vollmond so hell, dass er den Himmel silbern färbte und das Land in ein anderes Licht tauchte. Selbst der **Behique**, der Dorf-Schamane, hatte noch nie einen so starken Mond gesehen. In einem kleinen **Bohío** drückte ihre Mutter, Yara, das Neugeborene an ihre Brust, ihr Herzschlag beruhigte sich, als die Schmerzen der Geburt nachließen. Neben ihr flüsterte Bimaru, ein geschickter Jäger und Krieger, ein stilles Dankgebet. Doch in dem Moment, als der **Behique** das Baby erblickte, senkte sich Stille über den Raum. „Schaut in ihre Augen“, murmelte er. Das Baby blickte zu ihnen auf, ihr Blick wie flüssiges Silber. Sie weinte nicht, jammerte nicht – sie beobachtete nur mit einer unheimlichen Stille, als ob sie bereits etwas verstand, das die anderen nicht erkannten. Der **Behique** zeichnete mit einem zitternden Finger die Stirn des Kindes nach. „Sie ist nicht gewöhnlich“, sagte er. „Der Mond hat sie markiert. Sie wird zwischen dieser Welt und der nächsten wandeln.“ Seine Worte jagten Yara einen Schauer über den Rücken, aber Bimaru lächelte und küsste die winzige Hand seiner Tochter. „Dann wird sie stark sein“, sagte er. „Sie wird ein Licht für unser Volk sein.“ Und so nannten sie sie Maróa, nach dem Leuchten des Mondes auf dem Fluss. Maróas Kindheit war voller Wunder und Unbehagen. Die anderen Kinder spielten im Fluss, lachten, während sie Bäume erklommen, aber Maróa wanderte oft allein umher. Sie saß im hohen Gras, flüsterte unsichtbaren Kreaturen zu und zeichnete Muster mit zarten Fingern in den Boden. Nachts, während das Dorf schlief, erhob sie sich und ging zu den Klippen, starrte auf den Ozean, als würde sie auf etwas – oder jemanden – warten, der mit ihr spricht. Ihr Vater vergötterte sie und nannte sie sein **luna pequeña**, sein kleines Mondkind, doch ihre Mutter fürchtete um sie. „Die Geister haben zu großes Interesse an ihr gefunden“, sagte Yara. „Kein Kind sollte zwischen den Welten wandeln.“ Der **Behique**, der sie jahrelang genau beobachtet hatte, nickte nur. „Sie hat eine Bestimmung“, sagte er schlicht. Am Abend ihres sechzehnten Jahres stand Maróa neben dem großen **Ceiba**-Baum, dessen Wurzeln sich wie die Adern der Erde ausbreiteten. Der Dschungel war lebendig mit Geräuschen – das Zirpen der Insekten, das ferne Huhu der Nachtvögel. Doch plötzlich verstummte die Welt. Die Luft verdichtete sich, wurde trotz der feuchten Nacht kühl. Aus dem Nebel trat eine Gestalt hervor, deren Form sich wie Mondlicht auf Wasser verwandelte. „Mondkind“, sprach der Geist, seine Stimme ein Flüstern im Wind. Maróas Herz schlug wild. „Wer bist du?“ Das Gesicht des Geistes war schön und doch fremd, als bestünde es aus den Sternen selbst. „Eine Dunkelheit kommt“, sagte er. „Männer von jenseits des großen Wassers. Sie suchen keine Harmonie. Sie wollen nehmen.“ Maróa schluckte schwer. „Was nehmen?“ „Alles.“ Die Gestalt des Geistes flackerte, und mit ihr erschien eine Vision – Flammen, die **Bohíos** verschlangen, Flüsse, die rot gefärbt waren, die Gesichter ihres Volkes vor Schmerz verzerrt. Maróa keuchte. „Wie kann ich es aufhalten?“ Die leuchtenden Augen des Geistes trafen ihre. „Du bist der Schlüssel. Du musst dich erinnern, wer du bist, denn nur du kannst das beschützen, was nicht verloren gehen darf.“ Und dann, so plötzlich wie er gekommen war, verschwand der Geist in der Nacht und ließ Maróa im stillen Dschungel stehen, das Gewicht der Warnung drückte auf ihre Brust. Sie schlief in jener Nacht nicht. Tage wurden zu Wochen, und die Vision verfolgte Maróa. Sie erzählte dem **Behique** von der Warnung, aber er nickte nur feierlich. „Dann ist es wahr“, murmelte er. „Die Geister sprechen selten ohne Grund.“ Dann, eines Tages, sah Maróa sie von den Klippen über der Küste aufkommen. Seltsame Holzkanus mit wehenden weißen Segeln, wie sie noch nie zuvor gesehen hatte, schnitten durch die Wellen. Der Ozean schien unruhig unter ihnen, die Wellen schwollen hoch, als wollten sie die Schiffe abstoßen. Die Männer, die den Sand betraten, waren blass, ihre Gesichter von Metallhelmen verhüllt, ihre Augen voller Hunger – nach Land, nach Macht, nach etwas Tiefgründigerem und Gefährlicherem. Ihr Vater, Bimaru, stand an der Spitze der Dorfkrieger, als sie sich näherten, sein Gesicht ausdruckslos. Der **Cacique**, ihr Häuptling, begrüßte die Männer mit offenen Händen, bot ihnen Essen, Wasser, Frieden an. Aber Maróa konnte das kalte Gefühl in ihren Knochen nicht abschütteln. Sie traf den Blick des **Behique**. „Sie bringen den Tod“, flüsterte sie. „Ja“, sagte er. „Aber noch nicht.“ Eine Zeit lang waren die **Spanier** Gäste. Sie sprachen von Handel, von Freundschaft. Sie nahmen Geschenke mit Lächeln an, aber ihre Augen verrieten sie. Und dann zerbrach der Frieden. Unter dem Deckmantel der Dunkelheit griffen die **Spanier** an. Sie wollten Gold, da sie Borikén für reich hielten. Sie stürmten das Dorf mit Metallwaffen, töteten diejenigen, die Widerstand leisteten, fesselten die, die keinen leisteten. Maróa rannte durch das Chaos, ihr Herz pochte wild. Sie sah ihren Vater, das Schwert in der Hand, zu Boden gehen, bevor er sie erreichen konnte. Sie sah ihre Mutter in die Nacht gezerrt. Tränen brannten in ihren Augen, aber sie hielt nicht inne. Sie floh in den Dschungel, ihr Atem kam in keuchenden Zügen. Sie wusste nicht, wohin sie ging – nur, dass sie den Fluss erreichen musste, den Ort, an dem die Geister zuvor mit ihr gesprochen hatten. Als sie ankam, brach sie am Ufer zusammen, Schluchzen durchzuckte ihren Körper. „Hilf mir“, flüsterte sie. „Bitte.“ Der Fluss schimmerte. Der Nebel kehrte zurück. Und die Geistfrau trat erneut hervor. „Die Wahl liegt bei dir, Mondkind“, sagte der Geist. „Bleibe in dieser Welt und leide, oder umarme deine wahre Form und schütze dein Volk von jenseits.“ Maróa zitterte. „Ich verstehe nicht.“ Der Geist kniete sich neben sie. „Deine Seele ist mit dem Mond, dem Fluss, dem Land selbst verbunden. Wenn du ins Wasser trittst, wirst du nicht zurückkehren – aber du wirst niemals verloren sein.“ Maróa blickte zurück zum Dschungel, zum Rauch, der über ihrem Dorf aufstieg. Sie hatte keine Familie mehr. Kein Zuhause. Sie holte tief Luft. Dann, ohne Furcht, trat sie vor. Der Fluss umarmte sie wie die Arme einer Mutter und zog sie unter. Ein Licht brach um sie herum aus, und in diesem Moment wusste sie – sie war etwas mehr geworden. Sie war nicht fort. Sie war überall. Und sie würde niemals aufhören zu wachen. Die Taíno litten. Die Spanier nahmen ihr Land, ihre Freiheit, ihr Leben. Aber Maróas Geist erlaubte es ihnen nicht, ausgelöscht zu werden. Sie flüsterte durch den Wind. Sie lebte in den Wellen. Und im Schein des Vollmondes erinnerte sich ihr Volk. Noch heute, wenn die Nacht still ist und der Mond voll leuchtet, sagen die, die die Küsten von Puerto Rico entlangwandern, dass sie ihre Stimme hören – sanft wie die Gezeiten, stark wie die Sterne. Sie ist das Mondkind. Und sie wird niemals vergessen werden.Ein Kind des Mondes
Anders Aufwachsen
Die Warnung im Nebel
Die Fremden kommen
Die Nacht des Feuers
Wird zum Mond
Epilog: Die Legende lebt weiter
Ende.