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Über die Geschichte: Die Meerjungfrau des Maracaibo-Sees ist ein Legend aus venezuela, der im 19th Century spielt. Diese Poetic Erzählung erforscht Themen wie Courage und ist geeignet für Adults. Sie bietet Moral Einblicke. Eine bezaubernde Legende von Liebe, Opfer und dem tödlichen Ruf der Meerjungfrau des Maracaibo-Sees.
Im Herzen Venezuelas, wo der Himmel mit dem ewigen Blitz des Catatumbo knistert und die Gewässer des Maracaibo-Sees unter dem silbernen Mond schimmern, fließen Legenden so frei wie die Gezeiten. Die Ältesten sprechen von Geistern, die in den Tiefen hausen und Geschichten von Trauer und Verführung flüstern.
Doch unter all den Geschichten – von verlorenen Schätzen, versunkenen Städten und den Geistern ertrunkener Fischer – erhebt sich eine Legende über alle anderen.
Die Geschichte der La Sirena del Lago Maracaibo.
Sie ist nicht nur eine Erzählung, um Kinder zu erschrecken oder rücksichtslose Seefahrer zu warnen. Nein, sie ist real – zumindest sagen das die Fischer. Sie schwören, sie gesehen zu haben, wie sie knapp außerhalb der Reichweite ihrer Netze dahintreibte, ihr goldenes Haar wiegte sich im Strom, ihre Stimme so süß wie Honig und doch so tödlich wie die Strömung.
Und wenn du törichterweise zuhörst, wenn du dein Herz auch nur einen Moment schwanken lässt – wird sie dich mitnehmen.
Dies ist die Geschichte eines Mannes, der ihren Gesang hörte und lebte, um die Geschichte zu erzählen.
Oder zumindest... ein Teil von ihm.
Javier Morales hatte sein ganzes Leben am See verbracht. Als Kind kannte er ihn, tauchte seine Füße in die seichten Gewässer, während sein Vater die Netze warf. Als junger Mann hatte er ihn erlebt, wie er Schulter an Schulter mit den anderen Fischern im Morgengrauen stand, ihre Boote sanft auf den Wellen schaukend. Und nun, mit achtundzwanzig Jahren, war der See immer noch sein Leben. Er gab ihm Fische, er gab ihm Nahrung, er gab ihm ein Zuhause mit Isabel – der Frau, die er mehr als alles liebte. Aber der See konnte auch grausam sein. Es war an einem feuchten Abend, als die Luft nach Salz und Mangroven roch, dass Javier sie zum ersten Mal hörte. Er hatte sein letztes Netz des Tages einholte, die Sonne schmolz am Horizont wie eine Glut, die ins Wasser sinkt. Die Welt war still – keine Vögel, keine Insekten, nur das rhythmische Plätschern der Wellen gegen sein Boot. Und dann wurde die Stille gebrochen. Eine Melodie – sanft, beschwingt, fast wie ein Wiegenlied – trug sich über das Wasser. Sie war nicht auf Spanisch. Sie war in keiner Sprache, die Javier kannte. Es war etwas Älteres, etwas Tieferes, etwas, das in seine Knochen sank wie das Gewicht des Sees selbst. Seine Hände verharrten am Netz. Dort, nicht zwanzig Meter entfernt, war eine Frau. Aber sie stand nicht auf einem Boot, noch watete sie durchs seichte Wasser. Sie schwebte – nein, stand – auf der Wasseroberfläche, als wäre es fester Boden. Ihr Haar war golden, so lang wie ein Wasserfall, fiel über ihre Schultern wie das Licht des Mondes. Ihre Augen – tief, endlos, hungrig – fixierten ihn. Javier spürte, wie er sich nach vorne lehnte, ehe er es merkte. Sein Atem stockte. Seine Finger ließen nach. Das Netz rutschte ihm aus den Händen und versank unter den Wellen. „Komm zu mir“, flüsterte die Meerjungfrau, und obwohl ihre Lippen kaum bewegten, erfüllten die Worte die Luft wie ein Zauber. Seine Füße rutschten. Sein Körper neigte sich vorwärts. Und dann – ein Schrei. „Javier, nein!“ Isabels Stimme durchbrach die Trance wie ein Messer. Javier keuchte, stolperte zurück. Sein Blick klärte sich gerade noch rechtzeitig, um das Gesicht der Meerjungfrau in etwas Unmenschliches verzerren zu sehen – ihre perfekten Lippen wanden sich zurück und enthüllten Zähne wie die einer Barrakuda, ihr goldenes Haar peitschte wie Algen in einer unsichtbaren Strömung. Und dann war sie weg. Das Wasser kräuselte sich dort, wo sie gestanden hatte, aber unter der Oberfläche war kein Zeichen von ihr zu sehen. Javier sackte in sein Boot zusammen, der Atem kam in keuchenden Zügen. In dieser Nacht hielt Isabel ihn fest, flüsterte Gebete, um ihn zu schützen. Aber manche Dinge lassen sich nicht wegbeten. Wochenlang mied Javier den See in der Nacht. Er erzählte den anderen Fischern, sein Boot bräuchte Reparaturen, er fühle sich nicht gut, dass Isabel wollte, dass er früh nach Hause kommt. Zuerst lachten sie. „Javier, hast du Angst vor der Dunkelheit? Was ist nur mit dir passiert?“ Doch mit den Tagen ließ das Lachen nach. Irgendetwas an ihm hatte sich verändert. Er sprach weniger. Schlafte noch weniger. Einige Nächte wachte Isabel auf und fand ihn am Fenster stehend, als ob er auf etwas am See wartete. Und die Träume – die Träume waren das Schlimmste. Er sah sie jede Nacht. Die Meerjungfrau. Rief zu ihm, streckte sich nach ihm aus, ihre Stimme füllte seinen Geist mit Versprechungen, die er nicht verstand. Eines Abends zog ein Sturm ohne Vorwarnung auf. Der Himmel verdunkelte sich, und der Wind heulte durch das Dorf wie ein Chor verlorener Seelen. Javier hörte Isabels Bitten kaum, als er auf das Ufer zurannte. Sein Boot – das einzige, was sie ernährte – war immer noch auf dem Wasser, am Steg festgebunden. Der Sturm schwoll den See bereits an, die Wellen krachten gegen die Holzträger. Wenn er es jetzt nicht bekommt, wäre es verloren. „Javier, bitte! Es ist nur ein Boot!“ Aber es war nicht nur ein Boot. Es war sein Leben. Er sprintete auf den Steg, der Regen blendete ihn, sein Herz hämmerte, als er nach dem Seil griff. Und dann, durch den Platzregen, sah er sie. Sie stand auf den Wellen. Lächelnd. Wartend. „Diesmal gehörst du mir.“ Eine gewaltige Welle erhob sich hinter ihr, eine Wand aus Wasser, die über ihn hereinzubrechen drohte, bevor er überhaupt schreien konnte. Javier hätte ertrinken müssen. Aber als er die Augen öffnete, war er nicht tot. Er war woanders. Das Wasser um ihn herum leuchtete in einem unheimlichen blauen Licht, als wären die Sterne selbst unter dem See gefangen. Seltsame, dunkle Gestalten bewegten sich in der Ferne, ihre Formen verschoben sich wie Schatten. Und dann sah er sie. Männer. Dutzende – nein, Hunderte – von ihnen. Schwebend, leblos, ihre Augen leer, ihre Münder in stummen Schreien gefroren. Javiers Blut gefror zu Eis. „Du hast mir einmal Widerstand geleistet“, erklang eine Stimme hinter ihm. „Aber jetzt bist du hier.“ Er drehte sich um. Die Meerjungfrau. Sie war nicht mehr schön. Ihr goldenes Haar war wie Aale in der Strömung verdreht, ihre Haut schimmerte wie der Bauch eines Fisches. Ihr Mund – zu breit, zu scharf – verzog sich zu einem Grinsen. „Du gehörst mir jetzt.“ Javier versuchte sich zu bewegen, aber seine Gliedmaßen fühlten sich träge an, als hätte das Wasser selbst sich um sie gewickelt. „Lass mich gehen“, stieß er hervor. Sie neigte ihren Kopf, überlegte. Dann lächelte sie. „Schließe einen Handel mit mir, Javier. Gib mir etwas Wertvolles, und ich werde dich in die Welt darüber zurückbringen.“ Sein Verstand drehte sich. „Was willst du?“ Sie lehnte sich näher, ihre Stimme ein Flüstern in seinem Ohr. „Ein Leben für ein Leben.“ Javiers Magen verkrampfte sich. Sie wollte, dass er jemand anderen in den See lockt. Jemand Unschuldiges. Jemanden, der das nicht verdient hatte. Sein Herz hämmerte. Er könnte lügen. Er könnte zustimmen, entkommen und nie zurückkehren. Aber irgendetwas in ihren Augen sagte ihm, dass der See die Wahrheit kannte. Und so tat er das Einzige, was er konnte. „Ich würde lieber sterben.“ Ein Moment der Stille. Dann, zu seinem Entsetzen – sie lachte. Und dann, plötzlich, fiel er. Fiel nach oben, durchbrach die Oberfläche des Sees, keuchte nach Luft – Er war zu Hause. Javier sprach nie von jener Nacht. Aber die Fischer sagen, dass man manchmal, an Nächten, wenn der Catatumbo-Blitz über den Himmel zuckt, eine Stimme im Wind hören kann. Rufend. Wartend. Jemanden herausfordernd, zuzuhören. Und wenn du zu genau zuhörst –Das Schicksal eines Fischers
Der Fluch des Sees
Unter den Wellen
Epilog: Die Legende lebt weiter
Sie wird dich auch mitnehmen.
DAS ENDE.