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Über die Geschichte: Die Steinherden von Istrien ist ein Legend aus croatia, der im Medieval spielt. Diese Descriptive Erzählung erforscht Themen wie Courage und ist geeignet für Adults. Sie bietet Inspirational Einblicke. Eine vergessene Legende erwacht in Istrien, wo Mut und das Land sich vereinen, um der alten Dunkelheit entgegenzutreten.
Istrien, dieses raue Juwel Kroatiens, ist ein Land, in dem die Erde vor Geschichten zu summen scheint. Seine sanften Hügel und terrassierten Weinberge bergen Geheimnisse, die so alt sind wie die Steinmauern, die sich darüber winden. Hier, im Herzen der Adria, wo das Meer das Land küsst, verweilen die Flüstern einer alten Bruderschaft, bekannt als die Steinhirten. Sie waren die Wächter des Landes, Beschützer seines Gleichgewichts und Geistes. Manche sagen, sie seien nur ein Mythos gewesen, eine Geschichte, erfunden, um Winternächte zu überbrücken. Andere glauben, sie hätten etwas Greifbareres hinterlassen – ein Erbe, das darauf wartet, erweckt zu werden.
Dies ist ihre Geschichte.
Das Dorf Grožnjan thronte wie ein Vogel auf einem felsigen Vorsprung, seine Steinhäuser leuchteten im späten Nachmittagslicht golden. Enge, Kopfsteinpflasterstraßen schlängelten sich durch das Dorf wie Adern und brachten Leben in seine stillen Ecken. Für Luka war das Dorf seine ganze Welt. Mit zweiundzwanzig Jahren war er wie die Hügel selbst – stur, unbeugsam und tief mit dem Land verbunden. Diesen Sommer gediehen die Weinberge prächtig, und die Olivenbäume versprachen eine gute Ernte. Luka hatte den Tag damit verbracht, zusammen mit seinem Vater die Reben zu schneiden, obwohl sein Herz nicht bei der Arbeit war. Die Geschichten, die ihm seine Großmutter erzählte – jene über die Steinhirten – gingen ihm wieder durch den Kopf. „Hör auf zu träumen, Junge!“, bellte sein Vater, als Luka die Gartenschere in der Hand baumeln ließ. „Die Reben warten nicht auf deine Fantasie.“ Doch Luka konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass dieser Sommer anders war. An diesem Abend, als der Himmel rosa errötete und die Adria wie flüssiges Gold glänzte, geschah es. Das Summen. Es war zunächst kaum hörbar, wie das Klingen einer fernen Glocke, doch es wurde stärker und hallte in Lukas Brust wider. Er legte seine Werkzeuge nieder und wandte sich den Hügeln zu, wo die Silhouette einer alten Kapelle gegen die Dämmerung ragte. Er hatte von der alten Kapelle gehört, die seit Jahrhunderten verlassen war und von den Einheimischen gemieden wurde. Man nannte sie verflucht, einen Ort, den nur Narren und Fremde zu betreten wagten. Doch heute Nacht schien etwas Lebendiges an ihr zu sein, das ihn lockte. Die Kapelle war noch verlassener, als Luka es sich vorgestellt hatte. Das Dach war längst eingestürzt, und Efeu kroch entlang der bröckelnden Mauern. Doch die Schnitzereien im Inneren waren intakt, ihre filigranen Muster von der Zeit unberührt. Während sich Lukas Augen an das schwache Licht gewöhnten, fiel ihm ein kreisförmiger Stein im Boden auf. Er unterschied sich von den anderen – glatt, poliert und mit Symbolen versehen, die schwach zu leuchten schienen. Er zögerte. War das töricht? Vielleicht. Doch etwas Tieferes als bloße Neugier zog an ihm. Luka hockte sich nieder und drückte seine Handfläche gegen den Stein. Das Summen, das er zuvor gespürt hatte, durchströmte ihn und vibrierte seinen Arm hinauf. Mit einem mahlenden Geräusch, das durch die Kapelle hallte, verschob sich der Stein und offenbarte einen dunklen Durchgang darunter. Die Luft im Gang war feucht und kühl, schwer vom Geruch uralter Erde. Luka stieg vorsichtig hinab, seine Laterne warf flackernde Schatten an die roh behauenen Wände. Der Tunnel öffnete sich in eine Höhle, und was er dort sah, raubte ihm den Atem. Statuen füllten die Kammer, ihre lebensechten Details wirkten in dem schwachen Licht unheimlich. Männer und Frauen, zu Stein gefrieren, standen in Posen von Stärke und Anmut – Bauern, Krieger, Heiler. In der Mitte des Raumes lag auf einem Podest ein steinerner Stab. Seine Schnitzereien entsprachen denen auf dem Kapellboden, doch diese waren noch filigraner und wanden sich spiralförmig wie Ranken, die einen Baum erklimmen. Als Lukas Finger den Stab umschlossen, verstummte das Summen und wurde durch eine ohrenbetäubende Stille ersetzt. Dann begannen die Statuen einzeln zu leuchten. Die Höhle füllte sich mit Licht, und die Stille wurde von einer Stimme durchbrochen, die scheinbar von überall und nirgendwo zugleich kam. „Ihr habt die Steinhirten erweckt.“ Die Stimme gehörte Arko, dem ersten der Statuen, der einen Schritt nach vorne machte. Sein wettergegerbtes Gesicht und durchdringende Augen verliehen ihm eine Aura der Autorität, doch in seinem Ausdruck lag auch Güte. Er erklärte, dass die Steinhirten die Beschützer Istriens seien, Wächter seiner Harmonie und seines Geistes. Vor Jahrhunderten hatten sie sich einem Feind gegenübergesehen, der so mächtig war, dass sie gezwungen waren, sich selbst zu Stein zu verwandeln und ihre Mission dem Land selbst anzuvertrauen. „Der Stab, den du hältst, ist das Herz des Landes“, sagte Arko mit fester Stimme. „Durch ihn bist du mit Istrien verbunden, wie wir es waren. Du fühlst seinen Schmerz, seine Freude, sein Leben.“ Luka hörte zu, sein Kopf drehte sich. Er hatte sich nie besonders besonders gefühlt. Er war ein Bauernsohn, der für ein ruhiges Leben in Grožnjan bestimmt war. Doch jetzt, mit dem Stab in seinen Händen, konnte er fühlen, was Arko meinte. Das Land pulsierte unter seinen Füßen wie ein lebendiges Wesen, und er war ein Teil davon. Die folgenden Wochen verbrachte Luka mit dem Training bei den Hirten. Obwohl sie an ihre steinernen Formen gebunden waren, war ihr Wissen intakt. Sie lehrten ihn, die Kraft des Stabs zu kanalisieren – Ranken heraufzubeschwören, um Feinde zu fesseln, stürmische Himmel zu beruhigen, kranke Ernten zu heilen. Es war ermüdend, aber Luka spürte eine wachsende Verbindung zum Land. Zum ersten Mal verstand er, warum seine Vorfahren die Erde verehrt hatten. Doch der Frieden war flüchtig. Fremde Berichte kamen aus den umliegenden Dörfern. Vieh war verschwunden, und Wälder, die seit Jahrhunderten bestanden, starben über Nacht. Zuerst dachte Luka, es läge an natürlichen Ursachen – Krankheit oder Raubtiere. Aber dann begannen die Lichter. In der Nacht, als die Hirten am Dragonja-Fluss campierten, sah Luka eines der Lichter aus der Nähe. Es schwebte über den Baumwipfeln wie ein Irrlicht und stieg dann in die Wälder hinab. Als Luka ihm folgte, stand er einem Wesen gegenüber, das aus einem Albtraum stammen könnte – einer Morana, ein verdrehtes Schattenwesen mit leuchtenden Augen. Der Kampf war brutal. Die Morana schien sich von Lukas Angst zu ernähren und wurde stärker, je mehr er zögerte. Doch als er den Stab in den Boden rammete, spürte er, wie die Erde zu ihm emporstieg. Wurzeln und Ranken brachen aus dem Boden hervor, banden das Wesen und zerrissen es. Es war das erste Mal, dass Luka die Kosten erkannte, ein Hirte zu sein. Das Land hatte ihm geholfen, aber es hatte ihn im Gegenzug ausgelaugt. Er taumelte zurück zum Lager, seine Hände zitterten. Die Morana war erst der Anfang. In den folgenden Monaten entdeckten Luka und die Hirten die Wahrheit: Der uralte Feind, der einst Istrien geplagt hatte, kehrte zurück. Im Herzen der Hügel, in einem Netz von Höhlen unter dichtem Wald verborgen, fanden sie die Überreste der Macht des Feindes – ein zerbrochenes Steintor. Es pulsierte mit einer unnatürlichen Energie, und Luka konnte fühlen, wie es nach ihm rief. „Das ist, wonach sie suchen“, sagte Arko mit schwerer Stimme voller Trauer. „Wenn sie dieses Portal öffnen, wird es das Ende sein.“ Die letzte Schlacht war anders, als Luka es sich vorgestellt hatte. Der Feind kam in Wellen – Schatten, die sich wie Flüssigkeit bewegten, Kreaturen mit gezackten Formen und hohlen Augen. Doch Luka war nicht allein. Die Hirten kämpften an seiner Seite, ihre steinernen Formen durchdrungen von einem seltsamen, ätherischen Licht. Am Ende kam es auf Luka an. Der Stab, nun von einer heftigen Energie durchdrungen, war das Einzige, was das Portal versiegeln konnte. Als der Feind näher rückte, rammete Luka den Stab in den Boden und steckte all seinen Willen hinein. Das Land reagierte, seine Kraft durchströmte ihn. Das Portal brach in einem blendenden Lichtstoß zusammen, und der Feind war verschwunden. Als sich der Staub legte, stand Luka allein da. Die Hirten waren in ihre steinernen Formen zurückgekehrt, ihre Mission erfüllt. Der Stab, nun ein einfacher Stock aus ungeschmücktem Stein, lag zu seinen Füßen. Er hob ihn auf, wohl wissend, dass er ihn nie wieder führen konnte. Zurück in Grožnjan war Luka nicht mehr derselbe. Er wurde der Geschichtenerzähler des Dorfes, gab die Geschichte der Steinhirten an jeden weiter, der zuhören wollte. Er pflanzte Bäume an den Orten, wo Wälder verloren gegangen waren, pflegte das Land mit einer Ehrfurcht, die er nie zuvor gekannt hatte, und lehrte andere, dasselbe zu tun. Das Erbe der Hirten lebte weiter – nicht nur im Land, sondern in den Herzen derjenigen, die es liebten.Der Ruf der Hügel
Die verborgene Tür
Die Last des Hirten
Ein alter Feind kehrt zurück
Das Herz des Landes
Ein wiederhergestelltes Erbe