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Über die Geschichte: Der verwunschene Brotfruchtbaum ist ein Legend aus dominica, der im Contemporary spielt. Diese Poetic Erzählung erforscht Themen wie Nature und ist geeignet für All Ages. Sie bietet Moral Einblicke. Ein mystischer Brotfruchtbaum, ein verbotenes Geheimnis und das Schicksal eines Dorfes in den Händen eines Mädchens.
**Der Baum, der niemals starb**
Das Dorf Bois Rosé lag versteckt in den Falten des Regenwaldes von Dominica, ein Ort, wo der Nebel in der Morgendämmerung an den Bäumen klebte und der Geruch von feuchter Erde die Luft erfüllte. Die Dorfbewohner lebten in Harmonie mit dem Land, bauten ihre Felder an, fischten im Fluss und lauschten den alten Geschichten, die über Generationen weitergegeben wurden.
Aber es gab eine Geschichte, die sich von den anderen unterschied – eine, die nicht nur ein Märchen war, sondern eine lebendige Wahrheit.
Am Rande des Dorfes, jenseits der Strohdachhütten und gewundenen Pfade, stand ein *Brotfruchtbaum wie kein anderer*. Seine massiven Äste streckten sich in den Himmel und warfen dauerhaft einen kühlen Schatten auf den Boden darunter. Der Baum war niemals kahl. Während andere Brotfruchtbäume nur in ihren Jahreszeiten Früchte trugen, trug dieser endlos, unabhängig von der Jahreszeit. Seine Rinde brach niemals, seine Wurzeln verdorrten nie und seine Blätter fielen niemals. Es war, als hätte die Zeit selbst keinen Einfluss auf ihn.
Die Dorfbewohner verehrten ihn und flüsterten Gebete, wann immer sie seine Früchte pflückten. Sie nahmen nie mehr, als sie benötigten. Es war eine heilige Regel, die in gedämpften Stimmen von den Ältesten gesprochen wurde:
*"Respektiere den Baum, und er wird dich nähren. Verletze den Baum, und er wird dich verlassen."*
Niemand hatte jemals den Mut, die Regel zu brechen. Nicht bis der Tag kam, an dem Elias Fontaine ankam.
Elina Toussaint hatte schon immer etwas Merkwürdiges an dem Brotfruchtbaum gespürt, obwohl sie es nicht ganz erklären konnte. Als Kind lag sie unter seinen weitläufigen Ästen und beobachtete, wie das Sonnenlicht in goldenen Streifen durch die Blätter filterte. Manchmal, wenn sie die Augen schloss und den Wind um sich herum singen ließ, dachte sie, sie könnte etwas hören – eine Stimme, zu sanft, um sie zu verstehen, aber dennoch real. Jetzt, mit achtzehn Jahren, hatte sie sich fast davon überzeugt, dass es nur die Einbildung eines Kindes gewesen war. Aber das änderte sich an dem Tag, an dem sie es erneut hörte. Sie war von der Flussseite zurückgekommen, einen Korb voller nasser Wäsche an der Hüfte balancierend, als die Brise sich änderte. Die Luft wurde dicht, schwer von etwas Unsichtbarem. Dann hörte sie es. *"Elina..."* Sie erstarrte. Es war nicht der Wind. Es war kein Vogel oder Insekt. Es war etwas ganz anderes. Langsam drehte sie sich zum Baum um. Die Blätter zitterten, als ob eine große Kraft durch sie hindurchgegangen wäre. Die Luft um sie herum fühlte sich geladen, lebendig an. Ihre Füße bewegten sich von selbst und brachten sie näher. Sie streckte die Hand aus, zögerte nur einen Moment, bevor sie ihre Handfläche gegen die Rinde drückte. Ein Puls aus Wärme schoss ihren Arm hinauf und breitete sich durch ihren Körper aus wie die Hitze der Mittagssonne. Einen Moment lang schwor sie, etwas sehen zu können – Bilder, die durch ihren Geist blitzten, zu schnell, um sie zu erfassen. Sie stolperte zurück, ihr Atem ging schnell. Sie wusste nicht, was geschah, aber sie wusste eines mit Sicherheit. Der Baum hatte gesprochen. Und er *wartete auf etwas*. Zwei Tage später kam ein Fremder nach Bois Rosé. Er kam den schmalen, unbefestigten Pfad von der Küste entlang zu Fuß, eine Tasche über der Schulter geschlungen und ein Notizbuch in der Hand. Seine Kleidung war ordentlich, aber abgenutzt, und sein Gesicht trug einen sonnengebräunten Teint, der von vielen Tagen in der Sonne erzählte. Die Dorfbewohner beobachteten ihn vorsichtig. Außenseiter kamen selten hierher, und wenn sie es taten, blieben sie niemals lange. „Mein Name ist Elias Fontaine“, stellte sich der Mann vor. Seine Stimme war glatt, sein kreolisches Französisch akzentuiert, klar und bewusst. „Ich bin Botaniker. Ich habe von einem Baum gehört, der in allen Jahreszeiten Früchte trägt. Ich bin gekommen, um ihn zu studieren.“ Ein Schweigen legte sich über das Dorf. Die Dorfbewohner tauschten unruhige Blicke aus. Es war Maman Marise, Elinas Großmutter, die schließlich sprach. Sie war die Älteste und am meisten respektierte von allen, eine Frau mit tiefer Weisheit. „Dieser Baum ist nicht zum Studieren da“, sagte sie bestimmt. „Er ist für das Volk dieses Landes. Nicht für Außenseiter.“ Elias lächelte, aber in seinen Augen lag etwas, das Elina beunruhigte. Ein Hunger, eine zu scharfe Neugier. „Ich möchte keinen Schaden anrichten“, sagte er. „Ich will nur ihn verstehen. Ein Baum wie dieser – er ist eine Anomalie, ein Wunder. Denkt daran, was wir lernen könnten.“ Die Dorfbewohner blieben unbewegt. Der Baum war nicht dazu da, von ihnen ausgebeutet zu werden. Aber Elias ließ sich nicht so leicht abschrecken. An jenem Abend verweilte Elias in der Nähe des Baumes und kritzelte Notizen in sein Journal. Er beobachtete seine Wurzeln, seine Blätter, seine unheimlich gesunden Früchte. Elina beobachtete ihn aus der Ferne. „Der Baum will ihn nicht hier“, sagte sie leise. Maman Marise nickte. „Ich spüre es auch.“ Seit Elias angekommen war, hatte sich der Wind gewendet und wurde unruhig. Der Boden fühlte sich anders unter ihren Füßen an, als ob etwas Tiefes in der Erde sich bewegt hatte. Und dann, am nächsten Morgen, *wies der Baum* ihn zurück. Er hatte versucht, die Rinde zu berühren – genau wie Elina. Aber statt Wärme brannte seine Haut. Er wich mit einem Schrei zurück und starrte auf seine Handfläche. Ein Zeichen war entstanden, das Abdruck der Baumnrinde dunkel auf seiner Haut. „Was...?“ murmelte er. Elina wusste es dann. Der Baum hatte ihn beurteilt. Und er hatte ihn für unwürdig befunden. Aber Elias war kein Mann, der Geheimnisse akzeptierte. In dieser Nacht kehrte er zurück. Er trug ein Messer. Mit einer schnellen Bewegung drückte er die Klinge gegen die Rinde und schabte einen kleinen Spalt Holz ab. In dem Moment wurde die Luft *schwer*. Die Bäume schwankten heftig, obwohl kein Wind geweht hatte. Der Boden bebte unter ihm. Ein tiefes Geräusch dröhnte durch die Nacht – *kein Donner, kein Wind, sondern etwas ganz anderes*. Das Dorf erwachte im Chaos. Der Brotfruchtbaum war über Nacht gewachsen. Seine Wurzeln hatten sich ins Dorf erstreckt, Steine hochgeschoben, Mauern aufgebrochen. Einige der Häuser hatten sich verschoben, ihre Fundamente gestört. „Der Baum ist zornig“, flüsterten die Dorfbewohner. Und sie wussten warum. Maman Marise trat vor. „Der Baum wurde verletzt“, erklärte sie. „Er wird nicht ruhen, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt ist.“ Elinas Herz pochte. Sie *fühlte* den Schmerz des Baumes, als wäre er ihr eigener. Sie wandte sich an Elias. „Du musst gehen.“ Elias’ Gesicht war blass. „Aber – ich wollte nur wissen –“ „Es ist nicht dein Platz zu wissen.“ Der Wind heulte. Die Äste des Baumes zitterten. Elias zögerte, dann drehte er sich schließlich um und ging weg. Und in dem Moment, als er aus dem Blickfeld verschwunden war, legte sich der Wind. Der Baum hatte *ihnen vergeben*. Jahre vergingen, und Elina blieb bei dem Baum, seinem neuen Beschützer. Das Dorf stellte seine Magie nie wieder infrage. Eines Tages rannte ein Junge zu ihr, die Augen weit geöffnet. „Ich habe es gehört“, flüsterte er. „Der Baum hat mit mir gesprochen.“ Elina lächelte. „Dann hat er dich ausgewählt, zuzuhören.“ Und während der Wind durch die Blätter flüsterte, lebte die Legende des Brotfruchtbaumes weiter.Ein Flüstern in den Blättern
Der Fremde aus dem Meer
Eine gefährliche Neugier
Der Zorn der Brotfrucht
Eine Entscheidung muss getroffen werden
Epilog: Der nächste Wächter
Das Ende