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Über die Geschichte: Der Baobabhain von Ségou ist ein Legend aus mali, der im Ancient spielt. Diese Descriptive Erzählung erforscht Themen wie Courage und ist geeignet für All Ages. Sie bietet Cultural Einblicke. Die uralten Baobabs von Ségou bergen ein Geheimnis – eines, das ein Dorf retten oder für immer verfluchen könnte.
Das Land Ségou atmet Geschichte. Es trägt die Flüstern von Griots, die Echos von Kriegern und die Wiegenlieder der Großmütter, die ihre Kinder unter dem Schatten der großen Baobab-Bäume wiegen. Diese uralten Wächter stehen seit Jahrhunderten, ihre Stämme dick vor Weisheit, ihre Wurzeln tief im Boden der Erinnerung. Die Ältesten sagen, dass die Baobabs lebendig sind, dass sie sich an alle erinnern, die das Land durchquert haben, und dass sie in Zeiten großer Not erwachen.
Aber Legenden sind nur Geschichten—bis zu dem Tag, an dem sie es nicht mehr sind.
Mamadou sah sich nie als etwas Besonderes. Er war ein junger Mann, der Sohn eines Fischers, mit verhärteten Händen und einem Herzen, das sich nach Abenteuern jenseits der träge fließenden Gewässer des Niger sehnte. Er hatte Träume, aber sie waren kleine—vielleicht ein eigenes Boot, eine Frau, mit der er seine Mahlzeiten teilen konnte, und Kinder, die seinen Namen weitertragen.
Aber die Baobabs hatten andere Pläne.
Es war ein gewöhnlicher Abend, als der Sturm kam. Der Himmel, einst eine goldene Ausdehnung der Ruhe, verdunkelte sich mit wütenden Wolken. Der Wind heulte durch das Dorf, ließ die Lehmbauwände der Häuser klappern, riss Dächer von ihren Balken und verwandelte den Fluss in ein rastloses Biest. Mamadou hatte seinem Vater geholfen, die Fischernetze zu sichern, als der erste Blitz den Himmel spaltete. Ein Blitz, so hell wie die Sonne selbst, traf den ältesten Baobab im Hain. Der Aufprall war ohrenbetäubend. Als der Sturm vorüberzog, war das Dorf erschüttert, aber noch stehend. Aber der Baobab—derjenige, den die Ältesten B’Ka Fanga, den Baum der Stärke, nannten—war anders. Die Rinde war aufgesplittert wie die Seiten eines alten Buches und enthüllte eine Höhlung im verkrümmten Stamm. Als Mamadou sich näherte, angezogen von etwas, das er nicht erklären konnte, streiften seine Finger ein tief verborgenes Objekt. Er zog es heraus—ein Talisman, aus Elfenbein geschnitzt, von der Zeit glatt getragen, eingewickelt in verblasstes Tuch, bestickt mit Symbolen, die älter waren als das Dorf selbst. Seine Großmutter, Nana Aissatou, sah den Talisman und keuchte. "Er hat dich gefunden", flüsterte sie. "Mamadou, mein Kind, du bist auserwählt worden." "Auserwählt wofür?" fragte er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Sie traf seinen Blick mit wissenden Augen. "Für etwas Größeres als du selbst." Am Morgen nach dem Sturm erwachte das Dorf zu einer beunruhigenden Stille. Keine Vögel sangen, kein Rascheln der Blätter im Wind, nur die Ruhe von etwas, das auf etwas wartete. Nana Aissatou ließ keine Zeit vergehen. Sie sandte Mamadou zu den Ufern des Niger, um Djeneba zu suchen, die alte Mystikerin, bekannt als die Tochter des Flusses. Djeneba war eine Frau vieler Jahre, mit Augen wie der Fluss selbst—tief, dunkel und voller Geheimnisse. Sie lebte in einer Hütte, die aus Schilf und Knochen großer Fische geflochten war, ihr Dasein auf das Wasser gebunden auf eine Weise, die niemand wirklich verstand. Als Mamadou ankam, wartete sie bereits. "Du trägst das Gewicht der Vergangenheit," sagte sie, ihre Stimme wie das Rascheln von Papyrus. "Und die Last der Zukunft." Sie nahm den Talisman von ihm, zeichnete mit ihren faltigen Fingern die alten Schnitzereien nach. Dann warf sie ohne ein Wort eine Handvoll Kuprisse in den Fluss. Sie trieben zunächst, begannen dann langsam zu sinken. Djenebas Augen weiteten sich. "Ein Schatten kommt," murmelte sie. "Der Kriegsherr Faroukou marschiert auf Ségou zu. Wenn er nicht gestoppt wird, wird er alles nehmen—dein Land, dein Volk, deine Seele." Mamadou schluckte schwer. "Was kann ich tun?" Sie sah ihn an, ihr Ausdruck undurchsichtig. "Kehr zum Hain zurück. Unter den Wurzeln von B’Ka Fanga wirst du finden, was du brauchst." Mamadou ließ keine Zeit verstreichen. Er rannte zurück zum Baobab-Hain, sein Atem keuchte schwer. Der große Baum stand still, seine uralten Äste ragten zum Himmel, als betete er. Er fiel auf die Knie und begann zu graben. Seine Finger stießen auf etwas Hartes—ein lederverpacktes Objekt, das unter den Wurzeln vergraben war. Er zog es heraus. Ein Dolch, dessen Klinge auf eine tödliche Schneide geschärft war, dessen Griff mit denselben Symbolen wie der Talisman verziert war. Er hatte keine Zeit, seine Bedeutung zu hinterfragen. Die Dorfglocke läutete—eine Warnung. Staub stieg in der Ferne auf, das Donnern von Hufen hallte über das Land. Faroukou war gekommen. Der Kriegsherr ritt an der Spitze seiner Armee, ein Mann aus Stein und Grausamkeit geschnitzt. Sein schwarzes Pferd schreckte hoch, während er das Dorf mit kalten, berechnenden Augen musterte. "Bringt mir euer Gold, eure Viehbestände und eure stärksten Söhne," erklärte er. "Oder ich werde Ségou niederbrennen." Angst zog durch die Dorfbewohner. Einige versteckten sich, einige weinten, und andere beugten einfach leise ihre Köpfe in stiller Unterwerfung. Doch Mamadou blieb aufrecht. "Du wirst uns nichts nehmen," sagte er. Seine Stimme war fest, obwohl sein Herz wie eine Trommel pochte. Faroukou grinste. "Und was wirst du tun, um mich aufzuhalten, Fischersohn?" Der Wind regte sich. Die Baobabs flüsterten. Und der Talisman um Mamadous Hals begann zu leuchten. Mamadou verstand nicht ganz, was geschah—nur, dass etwas Uraltes und Mächtiges in ihm erwacht war. Er packte den Dolch fest, und die Erde unter seinen Füßen bebte. Die Baobabs reagierten. Ihre Wurzeln, so dick wie ein Männerarm, brachen aus dem Boden. Sie schlängelten sich wie Schlangen um die Soldaten des Kriegsherren, zogen sie von ihren Pferden und wickelten sich um ihre Waffen. Die Krieger wehrten sich, schlugen nach den Wurzeln, aber die Bäume gaben nicht nach. Äste schwingen wie mächtige Arme, warfen Männer zur Seite, während sich die Erde selbst unter ihnen zu verschieben schien. Die Dorfbewohner, die den Kampf sahen, nahmen ihre eigenen Waffen—Hacken, Messer und Steine—auf und schlossen sich dem Kampf an. Faroukou, erkannte seine Niederlage, drehte sein Pferd zur Flucht—aber die Baobabs hatten ein letztes Geschenk. Der Boden spaltete sich vor ihm, ein Abgrund der Dunkelheit öffnete sich weit. Mit einem letzten, verzweifelten Schrei wurde er von der Erde verschlungen. Und dann, Stille. Die Schlacht war gewonnen, aber Mamadou wusste, dass seine Reise noch nicht zu Ende war. Er war auserwählt worden, nicht nur für einen einzigen Kampf, sondern für ein ganzes Leben. Djeneba traf ihn im Hain. "Du bist jetzt der Wächter," sagte sie schlicht. "Die Bäume werden wieder schlafen, aber wenn Ségou bedroht wird, werden sie erwachen. Und wenn deine Zeit gekommen ist, wird der Talisman einen anderen finden." Mamadou nickte. Jetzt verstand er es. Im Laufe der Jahre wurde er zur Legende. Kinder versammelten sich unter den Baobabs, um seine Geschichte zu hören, und das Dorf gedeihte in Frieden. Aber als er alt wurde, wusste er, dass es Zeit war. Eines Nachts kehrte er zu B’Ka Fanga zurück und legte den Talisman zurück, wo er ihn gefunden hatte. Die Wurzeln bedeckten ihn langsam wieder. Wartend. Und wenn du heute im Hain stehst, wenn du genau zuhörst, könntest du das Flüstern der Baobabs hören. Denn die Bäume erinnern sich. Und das werden sie immer tun.Das Talismann im Baum
Whispers of the River
Der Kriegsherr kommt
Die Baobabs erwachen
Der Wächter des Hains