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Über die Geschichte: Die Sonnenlegende der San-Völker ist ein Myth aus south-africa, der im Ancient spielt. Diese Poetic Erzählung erforscht Themen wie Courage und ist geeignet für All Ages. Sie bietet Inspirational Einblicke. Die legendäre Erzählung der San über ein furchtloses Mädchen, das den ersten Sonnenaufgang in die Welt brachte.
**Bevor die Welt die Sonne hatte, bevor Wärme sich über das Land ausbreitete, gab es nur endlose Nacht. Die Sterne hingen wie winzige Glühwürmchen am Himmel, doch ihr Licht war schwach und fahl. Die Erde war ein Ort der Schatten, und die Menschen lebten in ständiger Kälte, ohne etwas von dem zu wissen, was jenseits der Dunkelheit lag.**
**Dies war die Welt der San vor langer Zeit, eine Zeit, in der Feuer selten und kostbar war und das Überleben täglich neu erkämpft werden musste. Doch selbst im tiefsten Dunkel gab es jene, die von etwas mehr träumten – von einer Welt, in der Wärme die Haut kitzelte, in der die Bäume lange Schatten warfen und in der Licht die endlose Nacht zurückdrängte.**
**Dies ist die Geschichte, wie die Sonne entstand. Es ist eine Erzählung von Mut, von einem Mädchen, das sich einer großen und schrecklichen Schlange widersetzte, und vom ersten Tag, an dem die Welt in goldenes Licht getaucht wurde.**
Die Welt war schon immer so gewesen – düster, kalt und still. Die Menschen drängten sich in Höhlen zusammen, ihre Körper in Tierfelle gewickelt, um die Kälte abzuwehren. Nachts heulte der Wind wie ein unsichtbares Monster, und seltsame Geräusche hallten über die Ebenen. Die großen Raubtiere der Dunkelheit bewegten sich ungesehen, ihre leuchtenden Augen waren das einzige Anzeichen ihrer Präsenz. Die Menschen lebten vom Licht kleiner Feuer und bewachten diese sorgfältig, denn Feuer war heilig. Es war schwer herzustellen, und einmal verloren, konnte es Tage dauern, bis es wieder entfacht war. Ohne Feuer gab es nur die Kälte, und in der Kälte gab es nur den Tod. In jenen Tagen saß ein alter Jäger namens Xhunta am Feuer und erzählte Geschichten. Er sprach von einer Zeit vor der Dunkelheit, als der Himmel anders war, als Wärme das Land küsste. Doch niemand glaubte ihm. Die Jungen lachten und sagten: „Alter Mann, du erzählst Geschichten von Dingen, die nie waren.“ Aber ein Mädchen, ein Kind namens !Kai, hörte mit weit geöffneten Augen zu. Sie glaubte ihm. Sie wusste nicht warum, aber tief in ihrem Herzen fühlte sie, dass die Welt nicht so sein sollte. Eines Nachts, als der Wind ruhig war und die Sterne sanft flimmerten, fragte sie: „Xhunta, wenn die Welt einst warm war, wo ist diese Wärme hin?“ Der alte Mann lächelte traurig. „Sie wurde gestohlen, Kind. Vom großen Schlangenkönig Ga-Gorib genommen. Er fürchtete das Licht und sperrte es tief in den Himmel, wo niemand es erreichen konnte.“ !Kai zog die Stirn in Falten. „Warum versucht dann niemand, es zurückzuholen?“ Xhunta schüttelte den Kopf. „Denn Ga-Gorib herauszufordern bedeutet, den Tod zu laden.“ Doch !Kai fürchtete sich nicht vor den Geschichten. Sie hatte Angst vor der Kälte, vor den langen Nächten, vor den endlosen Schatten. Und so traf sie in dieser Nacht eine Entscheidung. Sie würde das Licht zurückbringen. !Kai wusste nicht, wo sie anfangen sollte. Sie wusste nur, dass sie das Feuer des Himmels finden musste. Also verließ sie ihr Dorf in der Dunkelheit der Nacht, wickelte sich in dicke Felle und trug einen kleinen Beutel mit getrocknetem Fleisch bei sich. Sie reiste über die weiten Ebenen, wo geisterhafte Schakale aus den Schatten heraus beobachteten. Sie überquerte gefrorene Flüsse, ihr Atem bildete Wolken in der kalten Luft. Tage vergingen, und sie ging weiter, geführt nur von den Geschichten des alten Jägers. Schließlich erreichte sie den großen Berg, den Ort, wo der Himmel auf das Land traf. Und dort, verborgen zwischen den Felsen, fand sie etwas Unglaubliches. Es war ein Glutstern. Ein einzelner, glühender Glutstern, schwach flackernd in der Dunkelheit. Es war kein gewöhnlicher Glutstern – er pulsierte vor Wärme, wie eine kleine Sonne, die in Stein gefangen war. !Kai hob ihn vorsichtig auf. Die Hitze durchströmte ihre Hände, wärmte ihren Körper und erfüllte sie mit Energie. Sie wusste in diesem Moment, dass dies ein Stück des gestohlenen Feuers war. Dies war der Schlüssel. Doch als sie sich umdrehen wollte, bebte der Boden unter ihr. Eine tiefe und schreckliche Stimme hallte durch die Nacht. „Du solltest nicht hier sein.“ Die große Schlange Ga-Gorib wartete. Er war größer als jedes Wesen, das !Kai je gesehen hatte, seine Schuppen dunkler als die Nacht selbst. Seine Augen brannten wie Zwillingsfeuer, und seine Stimme grollte wie ferner Donner. „Du versuchst, das zu stehlen, was mir gehört“, zischte er und schlängelte sich um den Berggipfel. „Die Welt wurde in Dunkelheit geboren, und in Dunkelheit muss sie bleiben.“ !Kai machte einen Schritt nach vorne. „Die Welt wurde mit Licht geboren“, sagte sie mit fester Stimme. „Du hast es gestohlen. Und ich werde es zurückholen.“ Ga-Gorib lachte, ein tiefes, schreckliches Geräusch. „Törichtes Kind. Licht ist gefährlich. Es wird brennen, blenden, Krieg und Schmerz bringen.“ Doch !Kai zögerte nicht. Sie hob den Glutstern hoch. „Und doch leiden wir ohne es. Ohne es frieren wir.“ Die Schlange schlug zu. Aber !Kai war schnell. Sie sprang zur Seite, der Glutstern leuchtete hell in ihren Händen. Der Kampf hatte begonnen. !Kai rannte den Berg hinauf, Ga-Gorib dicht hinter ihr. Sein massiver Schwanz peitschte umher, schlug Felsen auseinander und ließ den Boden erbeben. Sie konnte seinen Atem, kalt und feucht, an ihrem Rücken spüren. Sie kletterte höher, hielt sich mit gefrorenen Fingern an den Steinen fest. Der Glutstern brannte in ihren Händen, wurde heißer und heller. Sie wusste, dass sie den Gipfel erreichen musste. Ga-Gorib griff erneut an und diesmal warf er sie zu Boden. Sie taumelte zurück, der Glutstern entglitt ihrer Hand. Einen Moment lang schien alles verloren. Doch dann – Licht. Der Glutstern fiel nicht. Er stieg auf. Er schoss nach oben, brannte heller als alles, was !Kai je gesehen hatte. Er wuchs und wuchs, spannte sich über den Himmel und füllte ihn mit goldenem Feuer. Ga-Gorib schrillte auf. Das Licht verbrannte seine Schuppen und trieb ihn zurück. Er schlängelte sich davon und kroch in die Tiefen der Erde. Und die Sonne ging zum ersten Mal auf. Die Welt erwachte. Die Flüsse funkelten, die Bäume warfen lange Schatten, und Wärme breitete sich über das Land aus. Die Menschen traten aus ihren Höhlen und blinkten erstaunt. !Kai kehrte in ihr Dorf zurück, ihr Gesicht strahlte vor Triumph. Sie erzählte ihnen, was geschehen war, wie die Sonne befreit wurde, wie Ga-Gorib in die Erde geflohen war. Der Älteste Xhunta lächelte. „Du hast getan, was sich sonst niemand zu trauen wagte“, sagte er. „Du hast uns die erste Morgendämmerung geschenkt.“ Doch die Sonne, erkannte !Kai bald, war nicht ewig. Jede Nacht senkte sie sich unter den Horizont und ließ die Welt erneut in Dunkelheit zurück. Also schwor sie sich: Sie würde die Sonne bewachen, sie jeden Morgen heraufbeschwören und sicherstellen, dass sie immer zurückkehrte. Und so erzählen die San ihr ihre Geschichte, Generation für Generation. Bis heute geht die Sonne auf und unter, ein Erinnerungszeichen an !Kais Reise, an ihren Mut und an den großen Kampf gegen die Dunkelheit. Die San sagen, dass die Sonne hell scheint, weil !Kai vor Freude tanzt. Doch wenn Stürme toben, kämpft sie unsichtbare Schlachten, um das Licht vor erneutem Diebstahl zu bewahren. Und so setzt sich der Kreislauf fort. Das Feuer des Himmels brennt weiter, für immer.Die Zeit der endlosen Nacht
Das Feuer des Himmels
Der Kampf um die Sonne
Der erste Sonnenaufgang
Der Hüter der Sonne
Epilog: Der ewige Kreislauf